Prozess wegen Völkermord in Namibia – Schrei nach Aufmerksamkeit oder berechtigter Wunsch nach Entschädigung?

 

Nachdem deutsche Kolonialtruppen das südlich in Afrika gelegene, heutige Namibia im Jahre 1884 eingenommen hatten und sich die einheimische Bevölkerung in den folgenden Jahren zunehmend verdrängt und ausgebeutet fühlte, kam es im Jahr 1904 zu massiven Aufständen. Die durch Existenzängste angeregten Völker der Herero und Nama lehnten sich hierbei am stärksten gegen die deutschen Kolonialmächte auf. Dadurch brachten sie den damaligen Generalleutnant Lothar von Throta dazu, auf die Aufstände mit einem 15 000 Mann starken Heer zu reagieren, dem er den Befehl erteilte, die Unruhen zu unterbinden. Dabei schreckte er nicht vor hinterlistigen und tödlichen Fallen zurück und brachte somit Tausende Herero auf grausame Weise ums Leben. Auch der folgende Aufstand der Nama, der sich bis 1907/1908 hinzog, kostete zahlreichen Menschen das Leben. Kann man solche Grausamkeiten einfach legitimieren oder muss Deutschland für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden?

 

Diese Frage wird seit Mitte März im New Yorker Bezirksgericht diskutiert, denn die Anklage des jetzigen Herero-Führers Vekuii Rukoro führte zur Einleitung eines Gerichtsverfahrens gegen Deutschland. Er fordert neben einem nationalen Bekenntnis und einer Entschuldigung der grausamen Tat auch Reparation.

Das Verfahren wurde durch einen Gerichtstermin unter der Leitung von Bundesrichterin Laura Taylor Swain eingeleitet und Deutschland zeigte bereits großes Desinteresse, sich mit dem Prozess auseinander zu setzten, da kein Vertreter der Bundesrepublik Deutschland im Gerichtssaal erschien. Doch wodurch lässt sich dieses respektlose Verhalten gegenüber den Herero erklären?

 

Die skeptische Haltung der Deutschen in Bezug auf den Prozess lässt sich vor allem durch die ihrer Meinung nach fehlende Notwendigkeit und die bereits parallel laufenden Verhandlungen der Regierungen beider Staaten erklären. Diese Regierungsgespräche schließen die Herero und ihre Forderungen allerdings keineswegs mit ein, sondern haben lediglich die wirtschaftlichen Interessen beider Länder zum Ziel. Demzufolge stellen diese Verhandlungen keine Rechtfertigung für die Boykottierung des Prozesses durch Teilnahmeverweigerung dar. Ist also dieser Gerichtsprozess erforderlich?

 

Auch wenn die Anklagegründe der Herero zunächst willkürlich und unwichtig klingen mögen und viele deutsche Stimmen behaupten, es ginge den namibischen Völkern lediglich um Aufmerksamkeit, ist ihre Forderung nach einem gerechten Prozess verständlich. Den Hereronachkommen geht es vielmehr um einen Abschluss als um eine erneute Aufwühlung der tragischen Ereignisse. Ein Schuldbekenntnis der Deutschen, das bisher nur im Gegenzug auf den Verzicht jeglicher Reparationszahlungen angeboten wurde, würde diesen Abschluss ermöglichen.

Reparationszahlungen – bereits zur Entschädigung der NS-Opfer musste Deutschland diese aufbringen. Jedoch folgten erst nach geraumer Zeit ein Bekenntnis und eine Zahlung für die kaltblütigen Taten des nationalsozialistischen Regimes unter Adolf Hitler. Warum scheint Deutschland sich also schon wieder aus der Verantwortung zu ziehen und keinerlei Reue zu zeigen?

 

Aus unerklärlichen Gründen! Unserer Meinung nach spiegelt das Nichterscheinen beim Gerichtsprozess lediglich Unreife und Respektlosigkeit der Deutschen gegenüber den Herero wieder. Denn wäre dieses Verfahren nicht eine ideale Gelegenheit zu beweisen, dass Deutschland Verantwortung für seine Taten übernehmen kann? Wir sind der Meinung, dass der Prozess in Bezug auf den Völkermord in Namibia keinen Schrei nach Aufmerksamkeit sondern den berechtigten Wunsch nach Entschädigung der Herero wiederspiegelt. 

 

von Neele, Emily und Stina / 11. Jahrgang des Beethoven-Gymnasiums 

 

 

 

Bild 1 (links): Durch die deutschen Kolonien in Namibia wurden zahlreiche Plätze, Straßen und Gasthäuser deutschsprachig benannt / aufgenommen in Aus, Namibia

 

Bild 2 (rechts): Das Bild zeigt die Überbleibsel eines militärischen Lagers

deutscher Stationäre in Namibia / aufgenommen auf dem Welwitschiatrail in Swakopmund, Namibia

 

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/namibia-massaker-bundesregierung-spricht-von-voelkermord-a-1043117.html

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